Praktika von A bis Z (für Betriebe)

Sie werden Agrarstudenten aus der ehemaligen UdSSR ausbilden. Dazu möchten wir Ihnen einige Hinweise geben. Zur besseren Orientierung haben wir eine alphabetische Ordnung mit Stichworten gewählt.


Anfangsschwierigkeiten
Die meisten Praktikanten sind zum ersten Mal in der westlichen Welt und müssen sich in einer ihnen fremden Kultur und Umgebung orientieren. Der tägliche Gebrauch der deutschen Sprache und das Praktikum verlangen ihnen einiges ab. Die ersten Wochen sind dabei die schwersten. Fast immer sind Sprachkenntnisse vorhanden, es fehlt jedoch an Sprachpraxis. Mit gutem Willen auf beiden Seiten lassen sich jedoch diese Schwierigkeiten schnell überwinden.

Arbeit
In der GUS sind Genauigkeit und Geschwindigkeit im Arbeitsprozess mit westlichen Maßstäben nicht vergleichbar. Die Menschen sind es gewöhnt, dass ihnen Arbeiten angewiesen werden. Selbständigkeit und Eigenverantwortung sind dabei oft nicht gefragt. Am Anfang des Prak-tikums in Deutschland fällt es einigen Praktikanten schwer, sich den erhöhten Anforderungen anzupassen. Ein Ziel der Praktika ist es, dass die Praktikanten verantwortungsbewusster und selbständiger werden.

Berichtsheft
Die Praktikanten sind verpflichtet, Berichtshefte zu führen. Bitte unterstützen Sie Ihre/n Praktikanten/in dabei. Kontrollieren Sie regelmäßig den deutschen Teil der Wochenberichte. Alle anderen Teile des Berichtsheftes dürfen in der Muttersprache der Praktikanten geschrieben werden, damit diese Informationen auch in den Herkunftsländern verstanden werden.

Berufsgenossenschaft
Die Praktikanten sind bei Arbeitsunfällen und bei Haftpflichtschäden gegenüber Dritten in Ausübung der Tätigkeit in der Regel bei einer Berufsgenossenschaft versichert. Die Ärzte müssen bei Arbeitsunfällen informiert werden, damit über die Berufsgenossenschaft abgerechnet wird.

Betriebsbesuche
Mitglieder von LOGO und ehemalige Praktikanten besuchen jedes Jahr gemeinsam viele Betriebe. Dabei werden Gespräche mit Ihnen und den Praktikanten geführt und die Praktikumsbedingungen kontrolliert.

Betreuung durch ehemalige Praktikanten
Bei den Einführungsseminaren lernen die Praktikanten ihre Betreuer (ehemalige Praktikanten) kennen. Die Betreuer stehen Ihnen und den Praktikanten fernmündlich zu Verfügung. Die Telefonnummern der Betreuer teilen wir Ihnen bei der Ankunft der Praktikanten mit.

Betriebswechsel
Sollte das Praktikum für beide Seiten nicht befriedigend sein, ist eine Umvermittlung grundsätz-lich möglich. Das Verhalten und die Motivation der Praktikanten werden vor einem Wechsel jedoch geprüft. Für den Betrieb kann in diesem Fall jedoch kein/e Nachfolgepraktikant/in garantiert werden.

Diebstahl
Besteht ein begründeter Verdacht auf Diebstahl, sollten LOGO und die Polizei eingeschaltet werden.

Essen
Die Ernährungsgewohnheiten zwischen den Kulturen sind unterschiedlich. Viele Praktikanten sind es gewohnt, täglich zwei Mal warm zu essen. Bei den warmen Mahlzeiten wird oft noch ein Brot gereicht. Im Osten isst man gerne viel Fleisch. Falls Sie fleischarm bzw. vegetarisch leben, sollten Sie sich darüber mit Ihrem / Ihrer Praktikanten/in verständigen.

Familienanschluss
Während des Praktikums soll auch die persönliche Entwicklung gefördert werden. Die Praktikanten sollen einen engen Anschluss an ihre Gastfamilie finden. Gemeinsame Mahlzeiten und eine zeitweise gemeinsam verbrachte Freizeit sollten selbstverständlich sein.

Gender (Rollenverständnis von Frauen und Männern)
In den Partnerstaaten orientieren sich die Rollen von Männern und Frauen stärker an Traditionen. Dies gilt besonders für muslimisch geprägte Staaten in Zentralasien, wobei wiederum deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land bestehen. Es fällt einigen Praktikanten schwer, sich dem westlichen Rollenverständnis anzupassen. Bei Schwierigkeiten sollten die Betreuer angesprochen werden.

Freizeit und Reisen
Die Praktikanten sollen auch Deutschland und seine Kultur kennenlernen. Es muss dafür gesorgt werden, dass sie neben den Seminaren für eine begrenzte Zeit für Reisen oder andere interkulturelle Erfahrungen vom Betrieb freigestellt werden. Bitte beachten Sie dazu auch den Praktikantenvertrag.

Führerscheine
Bei den Auswahlprüfungen finden häufig Fahrtests mit Traktoren statt. Leider sind die Ergebnisse oft auch bei Führerscheininhabern nicht befriedigend. Es ist nicht auszuschließen, dass Führerscheine illegal gekauft wurden. Bitte überprüfen Sie bei den ersten Fahrten die Fahrtüchtigkeit, um Unfälle zu vermeiden. Die ausländischen Führerscheine sind für ein halbes Jahr in Deutschland gültig, müssen dann jedoch noch von den Führerscheinstellen für ein weiteres halbes Jahr anerkannt werden.

Illegale Beschäftigung
Das Fachpraktikum dient der beruflichen Qualifizierung. Jede betriebsfremde Tätigkeit wird von den Zollbehörden, die auch Betriebskontrollen durchführen, als illegale Beschäftigung bewertet. Arbeiten auf Baustellen gehören nicht zu einem Fachpraktikum im ökologischen Landbau.

Internet
Falls Ihr/e Praktikant/in Ihren Internetzugang  benötigt, sollten Sie klare Regeln festlegen. Achten Sie darauf, dass über Ihren Anschluss
a) keine illegalen Dateien heruntergeladen oder kostenpflichtige Dienste in Anspruch genommen werden
b) keine Dateien insbesondere Musikstücke und Filme per Filesharing ins Netz gestellt werden
c) stets ein aktueller Virenschutz aktiviert ist.
In der Vergangenheit mussten schon einige Betriebsleiter als Anschlussinhaber empfindliche Strafen für Filesharing oder illegale Downloads ihrer Praktikanten zahlen.

Kaution
In den ersten beiden Monaten behalten die Betriebe von der Praktikantenvergütung je 100 € als Kaution ein. Damit soll erreicht werden, dass die Praktikanten das Praktikum über die vertragliche Dauer von sechs Monaten absolvieren. Wenn sie das Praktikum abbrechen, verbleiben 50 % der Kaution beim Betrieb und 50 % bei LOGO. Die Kaution wird an die Praktikanten ausgezahlt, wenn sie das Praktikum planmäßig beenden oder nachgewiesen besondere Gründe eine vorzeitige Rückreise erzwingen.

Konflikte
Sollten es während des Praktikums Probleme geben, teilen Sie diese bitte sofort den zuständigen Betreuern mit. Sie sollen bei Konflikten zu helfen und Lösungen finden, die für beide  Seiten akzeptabel sind.

Meldepflicht
Bitte melden Sie Ihren Praktikanten bei Ihrer Gemeinde an. Am Ende des Praktikums sollte die Abmeldung nicht vergessen werden. Die Ausländerbehörden werden von der Abmeldung bei der Gemeinde informiert.

Ramadan
Während des 30 tägigen Ramadan dürfen Muslime tagsüber nicht essen noch trinken. Da die Praktikanten unter körperlicher Belastung stehen, können sie das Fastengebot nicht einhalten. Der Koran erlaubt Reisenden, zu den man auch Praktikanten zählen kann, eine Ausnahme vom Fastengebot.

Reisen in andere Staaten der Europäischen Union
Die Visa sind zunächst nur in Deutschland gültig. Für Reisen in die Staaten des Schengener Abkommens ist eine Aufenthaltsbewilligung mit Eintragung in den Reisepass durch die Ausländerbehörden notwendig. Bitte beachten Sie dazu die Informationen unter dem Punkt Visa.

Reisepass
Der Verlust eines Reisepasses zieht bei der Wiederbeschaffung große Schwierigkeiten und Kosten nach sich. Daher sollten von wichtigen Dokumenten Kopien angefertigt werden.

Schweinefleisch
Gläubige Muslime dürfen kein Schweinefleisch essen. Ausnahmen erlaubt der Koran nur in Notfällen. Wir bitten Sie um Rücksichtnahme. Ohne soziale Kontrolle weichen Muslime jedoch häufiger von den Geboten ab.

 
Sozialversicherungen
Die Agrarstudenten absolvieren Praktika, die in der Studienordnung vorgeschrieben sind. Daher sind keine Abgaben zur gesetzlichen Sozialversicherung (Arbeitslosen-, Renten-, Kranken-, Pflegeversicherung) notwendig. Sollte der Versicherungsträger dennoch Forderungen erheben, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Bitte bewahren Sie Ihre ZAV Bescheinigung für Arbeitgeber mehrere Jahre sorgfältig auf.

Sprachkenntnisse
Viele Betriebsleiter legen Wert auf gute deutsche Sprachkenntnisse. An den Partnerhochschulen sind diese immer seltener vorhanden. Bei den Auswahlprüfungen müssen die Kandidaten ein Mindestniveau erfüllen und an ergänzenden Deutschkursen teilnehmen. Sie werden belehrt, dass sie bei zu geringen Sprachkenntnissen auf eigene Kosten vorzeitig in ihr Heimatland zurückgeschickt werden.

Steuern
Wir empfehlen, dass Sie als Arbeitgeber beim zuständigen Finanzamt eine Bescheinigung für beschränkt einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer gemäß § 39 d Einkommensteuergesetz anfordern. Einzelheiten klären Sie bitte mit Ihrem Steuerberater.

Unterbringung
Jeder Praktikant sollte in einem sauberen, hellen Zimmer untergebracht werden, welches  beheizt werden kann. Es sollte mindestens 10 m2 betragen und  mindestens ein Bett, einen Schrank, einen Stuhl und einen Tisch enthalten.

Urlaub
Die Praktikanten haben in sechs Monaten neben einem einwöchigen Fachseminar Anspruch auf sieben Tage Urlaub ohne Abzug von Taschengeld. Der Urlaubstermin muss im beiderseitigen Einvernehmen geregelt werden und darf auch in Teilen genommen werden.

Vergütung
Die Praktikanten erhalten eine Monatsvergütung von mindestens 240 €, die sich an einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden orientiert. Überstunden sollten mit einem Stundensatz von mindestens 4 € oder mit Freizeit ausgeglichen werden. Wir empfehlen, die Überstunden erst gegen Ende des Praktikums auszuzahlen, damit Praktikanten anderer Betriebe nicht neidisch reagieren. Bei Unzufriedenheit zur Vergütung können Sie darauf hinweisen, dass

  1. Praktika primär der Aus- und Weiterbildung dienen,
  2. Betriebe zusätzliche Kosten für Essen, Logis, Arbeitskleidung und evtl. verursachte Schäden tragen,
  3. Praktikanten durch die Zahlungen der Landwirte an LOGO Zuschüsse für Reisekosten erhalten, an Seminaren und Fachexkursionen teilnehmen, sowie Lehrmaterialien bekommen und
  4. andere ausländische Arbeitnehmer diese Vergünstigungen nicht erhalten.

Telefon
Die Praktikanten sollten möglichst ihre eigenen Mobiltelefone benutzen, weil es in der Vergan-genheit mehrfach im Festnetz zu Missbrauch und zu hohen Telefonkosten kam.

Verlängerung des Fachpraktikums (siehe auch Visa)
Die Praktika sind zunächst für sechs Monate geplant. Nach § 2 Abs. Nr. 3 der Beschäftigungs-verordnung können sie bis auf zwölf Monate verlängert werden. Bitte informieren Sie uns frühzeitig, wenn Sie und Ihr Praktikant eine Verlängerung wünschen.

Versicherungen
Für die Kranken- Unfall- und Haftpflichtversicherung zahlt LOGO monatlich Beiträge an das Büro Dr. Walter GmbH. Bei betrieblichen Unfällen und Haftpflichtansprüchen von Dritten sind die Praktikanten über die Berufsgenossenschaften versichert. Arztrechnungen senden Sie bitte mit dem Erstattungsvorblatt an das Büro Dr. Walter GmbH, Eisenerzstr. 34, 53819 Neunkir-chen-Seelscheid, Tel 02247 9194 31 oder 0800 678 2222 (kostenlose Servicenummer)
Informationen zur Versicherung erhalten Sie gesondert. Das Büro Dr. Walter erstattet bei akuten Erkrankungen und Freizeitunfällen 100 % der Behandlungskosten. Bitte beachten Sie, dass Zahnsanierungen nicht versichert sind. Mehrkosten müsste der Praktikant selber tragen. Vor größeren Behandlungen muss der Zahnarzt / Arzt einen Heil- und Kostenplan an die Versicherung senden und das Ärzte-Info-Ticket unterschreiben.

Visa
Die Visa gelten nach der Einreise meistens nur drei Monate. Bei der notwendigen Verlängerung verlangen die Ausländerbehörden oft  Gebühren zwischen 30 und 100 €. Eine Gebührenbefreiung bzw. -ermäßigung  ist jedoch möglich, wenn die Behörden Praktika und Seminare nach § 52, Abs. 6 und 7 der Aufenthaltsverordnung anerkennen. Dazu senden wir Ihnen rechtzeitig ein Empfehlungsschreiben zu. Bitte nehmen Sie für den Antrag auf Verlängerung die Bescheinigung der ZAV, den Praktikantenvertrag, ein Foto und die Versicherungsbestätigung und unser Empfehlungsschreiben mit. Wird keine Gebührenbefreiung gewährt, müssen Sie die Kosten für die Verlängerung übernehmen.
Bitte achten Sie gegen Ende des Praktikums auf eine Abmeldung bei der Gemeinde, damit diese von dort an die Ausländerbehörden weitergegeben werden kann.

Wochenenden
Besonders auf viehhaltenden Betrieben sind auch während der Wochenenden wichtige Arbeiten zu erledigen. Die Praktikanten müssen dennoch zumindest an jedem zweiten Wochenende für 48 Stunden von der Arbeit freigestellt werden. Sie müssen Möglichkeiten haben, die kulturellen Verhältnisse in Deutschland kennen zu lernen und ihre Freizeit individuell zu gestalten.

Zahnbehandlungen
(siehe Versicherungen)

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)
Die ZAV stellt die Bescheinigungen für Fachpraktika ausländischer Studenten aus. Bitte bewahren Sie die für den Arbeitgeber bestimmte Durchschrift für mehrere Jahre sorgfältig auf. Sie benötigen dieses Dokument bei behördlichen Kontrollen und für die Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung.

Zurückhaltung
Viele Praktikanten sind anfänglich sehr zurückhaltend. Oft sind sie zu schüchtern, um Unverstandenes nachzufragen. In Zweifelsfällen sollten Sie Ihren/Ihre Praktikanten/in einen Sachverhalt mit eigenen Worten wiederholen lassen. Locken Sie ihn/sie aus der Reserve und zeigen Sie Interesse an Herkunft und Kultur. In einer lockeren Atmosphäre mit gemeinsamen Erlebnissen werden Hemmungen und eventuelles Misstrauen am besten abgebaut.


Dieses Merkblatt wird fortlaufend aktualisiert. Gerne nehmen wir Ihre Anregungen zur Verbesserung entgegen.